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Der unvergleichliche Groove – Workshop zu Malcolm Young (AC/DC)

Let there be rock

Malcolm Youngs unverwechselbarer Groove und was Du für Dein Ukulelen-Spiel daraus lernen solltest!

Zu allererst möche ich all denen, die nicht wissen, wer Malcolm Young war, eine kurze Einleitung geben:
Malcolm Young war einer der wichtigsten Rock-Gitarristen auf diesem Erdball. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder Angus hat er die Band AC/DC gegründet – eine der einflußreichsten Bands für mich und Millionen anderer Kids weltweit.

Und inzwischen auch für die Kids der Kids von damals, denn die Fangirls und Fanboys der ersten und zweiten Stunde sind auch älter geworden.

Genau wie Malcolm, der nach einem Schlaganfall mit folgender Demenzerkrankung nach 65 Jahren am 18.11.2017 in den Rock´n´Roll Himmel gerufen wurde.

Viel zu früh aus musikalischer und menschlicher Sicht – ich möchte gar nicht wissen, wie schwierig das für alle Angehörigen sein muss. Auf der anderen Seite vielleicht auch genau rechtzeitig, bevor es zu noch mehr Leiden kommt.

Sei es drum… ich stellte fest, dass ich die Nachricht von Malcolms Tod zunächst nur registrierte, wie all die anderen traurigen Nachrichten von Rockstars, die sich in der letzten Zeit gehäuft hatten. Lemmy, David Bowie, Robert Palmer, und und und…die Liste ist lang und wird immer länger.
Und jetzt Malcolm. Erst einen Tag später erwischte mich die Nachricht mit voller Wucht. Nicht so, dass ich weinend zusammenbrach, aber doch so, dass ich von großer Traurigkeit erfüllt wurde.

Dieser Mann und seine Band haben mich mein ganzes musikalisches Leben begleitet. Von Anfang an. Wären AC/DC nicht gewesen – ich glaube nicht, dass es je eine andere Band gegeben hätte, die das Rock´n´Roll-Feuer so in mir hätte entzünden können.

Ich gebe zu, dass es zunächst das Solospiel und das derwischhafte Auftreten von Angus in seiner Schuluniform waren, die mich faszinierten.

Doch je länger ich zuhörte, desto klarer wurde mir, dass Malcolm Young das Herz von AC/DC war. Er war der Puls, der unnachgiebige Rhythmus und nach-vorn-Peitscher.

Ich habe ihn ja nie kennengelernt, aber ich stelle mir vor, dass er Rock´n´Roll geatmet haben muss. Die Präzision und Leidenschaft, mit der er die Songs nach vorne trieb, die Eingängigkeit der Riffs und dieser unvergleichliche Groove. Dieser irrsinnige Groove, den nur er hatte.

Dieser Groove, der deine Beine zum Wippen und dann zum Wackeln bringt. Der geht durch den ganzen Körper, und zack: bist Du am Kopfnicken. Und dann am Headbangen.

Wem es beim Intro von Live Wire nicht die Schuhe auszieht, der hatte keine an. Dirty Deeds Done Dirt Cheap – ein Rhythmusmonster, dass Dich auffrisst. Whole lotta Rosie, Bad Boy Boogie, Hell Ain´t a Bad Place to Be …die Liste ist riesig.
Aber auch auf den späteren Scheiben mit Brian Johnson am Gesang kracht er weiter mit seiner Gretsch durch die Lautsprecher und verhilft selbst (verkaufs-)schwächeren Platten zu dicken Groove-Eiern. Hört Euch mal Landslide von der Flick Off The Switch an. Aaaaaah! Ich könnt durchdrehen, so gut ist das!

Aber zurück zum Thema: was hat denn nun eigentlich Malcolm Young mit Ukulele zu tun??

Ich mach´s mal kurz: alles 🙂 . Malcolms Gitarrenspiel war vor allem eins: immer auf den Punkt. Voller Rhythmus und Groove. Es war der klopfende Puls eines jeden Songs. Ohne seine Gitarrenarbeit hätten all diese Songs nicht die selbe Wucht und diese Wirkung auf uns gehabt.

Malcolms Spiel war das Skelett jedes Songs. Er war das Rückgrat der Band. Die Wirbelsäule, die alles zusammenhält und gleichzeitig beweglich macht.Und genau das ist Deine Aufgabe, wenn Du mit Deiner Ukulele Musik machst: Du sollst grooven!

Du sollst mit Schmackes und ordentlich „Cohones“ spielen, so dass Du Deine Zuhörer und/oder Zuschauer in Deinen Bann ziehst. Die müssen nach zwei Takten spätestens wissen, wo der Rhythmus ist und die Tanzschuhe anziehen!
Ich denke, dass wir alle von Malcolms Art zu spielen viel mitnehmen und umsetzen können:

wenn Du es schaffst, einen Song so nach vorne zu peitschen nur durch ein paar Akkorde, die „einfach“ da sitzen, wo sie hingehören, dann hast Du alles richtig gemacht.

Denn in den allermeisten Fällen wird genau das Deine Aufgabe sein: mit Rhythmus und Groove (für die meisten Ukulelenspieler unter dem Namen Schlagmuster bekannt) einen Song begleiten.

Wenn Du das schon mal gemacht hat, weisst Du, dass die Ergebnisse ganz unterschiedlich sein können. Manchmal kommt ein Akkordwechsel zu schnell, mal ist er zu langsam. Nach Strophe zwei wirst Du langsamer, nach dem Solo schneller. Manchmal vergisst Du vielleicht auch mal ganz banal einen Akkord. Oder fliegst aus dem Schlagmuster raus… wie war das noch? up down down..oder… down down up?

Und dann das Thema Pausen! So viele Schüler vergessen immer wieder wie wichtig gut klingende Pausen sind. Und ja: ich meine gut klingende Pausen. Denn es gibt leider sehr wohl die Möglichkeit, eine Pause nicht gut klingen zu lassen.

Dann ist sie unter Umständen zu lang. Oder zu kurz. Oder ihr macht Geräusche beim Abdämpfen der Saiten. Oder beim wieder-Abheben.
Also: arbeite an Deinen Pausen! Die sind genau so wichtig, wie jede gespielte Note!

Im folgenden habe ich Dir einmal ein paar typische Beispiele aufgeschrieben, die die elementaren Merkmale von Malcolms Stil beinhalten: Groove auf den Punkt, Pausen auf den Punkt, kraftvoller Anschlag mit vielen Downstrokes!

Beispiel 1
Classic AC/DC! Viel Kraft in den Anschlägen, viel Luft zwischen den einzelnen Akkorden. Jede Pause hier atmet richtig und gehört mit zum Groove dazu!
Übe das Riff erst mal richtig langsam, um die kleinen Licks am Ende rhythmisch sicher hinzubekommen.

Nichts klingt doofer, als halbgar trainierte Parts, die nicht grooven wollen. Lass Dir Zeit!

Beispiel 1 schnell

 

Beispiel 1 langsam

 

 

Beispiel 2
Mehr Pausen! Das Riff in Bsp. 2 ist typisch für die treibenden Songs der Band aus den 70ern. Hier pusht die Ukulele alles nach vorne, weil sich die Akzente auf Downbeats und Upbeats abwechseln.
Gefühlt „sitzt“ die Ukulele mal auf und mal zwischen dem Beat. Achte auch hier auf die saubere Ausführung der Pausen! Die Anschläge sind alle nur eine Achtel kurz und Du willst mit der rechten Hand dafür sorgen, dass es auch tatsächlich so ist…
Um auch hier kraftvoll zu klingen, schlage alle Akkorde als Downstrokes (zum Boden hin) an.

Fühlt sich erst mal schräg an, bringt dann aber den nötigen Wumms!

Besipiel 2 schnell

 

Beispiel 2 langsam

 

 

Beispiel 3
Ein Paradebeispiel dafür, wie Malcolm mit seinem Spiel die ganze Band zusammenhalten konnte. Diese Art von Rhythmus-Gitarre ist wie ein Superkleber für einen Rocksong! Das ganze Arrangement wird durch die 16tel-Figuren quasi festgezurrt.
Das klappt allerdings nur, wenn Du den Groove hier richtig „gefressen“ hast und unerschütterlich durchziehen kannst, komme da, was wolle…
Wichtig: fang wieder richtigrichtig langsam am und gewöhne Dich an das Zupfmuster für die rechte Hand.

Wer dann eine Schippe drauflegen möchte, dämpft die Saiten der Ukulele mit der rechten Handkante ab. Dieser Effekt heißt „Palm Mute“ und erfordert etwas Übung.
Dadurch, dass die Handkante direkt auf dem Steg liegt, über den die Saiten laufen, werden die Saiten in ihrer Schwingung eingeschränkt, und klingen auch etwas „muffiger“. Genau so soll es aber sein bei dieser typischen Rock-Technik.

Beispiel 3

 

 

Beispiel 4
Hier liegt der Fokus auf dem sogenannten Shuffle-Feel des Riffs. Wie etliche große Bands dieser Zeit, waren auch AC/DC maßgeblich von dem Blues- und Rock´n´Roll-Sound geprägt, den Künstler wie Chuck Berry oder John Lee Hooker auf die Bühnen brachten.
Davon inspiriert spielten AC/DC immer viele Songs im Laufe ihrer Karriere, die dieses typisch „hoppelnde“ Feeling hatten. Es war ihre Version des Blues – nur eben härter und lauter. Blues-Rock eben!

Beispiel 4

 

 

Beispiel 5
Und zum Schluss noch einmal Pausen 😉
Wir sind zurück im typischen 8tel Rock-Feel und für das kommende Riff willst Du Dir wirklich Zeit nehmen.
Und warum willst Du das? Ganz einfach: um das Teil zum klingen zu bringen, brauchst Du Übung. Hier verstecken sich so viele kleine Details – da möchtest Du keins übersehen.
Angefangen mit dem ersten Akkord, der eine Viertelnote lang klingen soll (nicht kürzer, nicht länger), über die vorgezogenen Akkorde Csus4 und Gsus4, bis hin zu den stakkato (italienisch für: kurz, abgehackt) gespielten Vierteln in Takt 2 und 4: hier steckt der Teufel im Detail. Und auch hier lohnt sich die Arbeit!

Beispiel 5

 

So, ihr Rocker – das war´s für heute!

Trainiere Deine Pausen und denke auch mal immer wieder dran, ein paar davon in Deinen Songs und/oder Begleitungen unterzubringen. Das ist Gold wert für aufgeräumte und erinnerungswürdige Arrangements!

Hast Du noch Fragen oder Anregungen? Wer waren oder sind Deine musikalischen Helden, die Dich nachhaltig beeinflußt haben? Sag es mir unten in den Kommentaren.

Mahalo und bis demnäschst,

Dein Daniel

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